Gaza-Blog der SOS-Kinderdörfer

Beiträge vom Februar 2009

Barfüßiger Engel

25. Februar 2009 · 4 Kommentare

Von Ihsan Redwan

Ich traf den vierjährigen Ahmed im zerbombten Haus seiner Familie in Bait Lahiya im Norden des Gazastreifens. Ahmed hat ein sanftes Gesicht und lange Haare, ohne Schuhe läuft er durch Schutt und Scherben – ein barfüßiger Engel inmitten von Trümmern.

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Seit Ahmeds Vater 2006 bei Unruhen gestorben war, hatte sich das gewohnte Leben des Jungen mehr und mehr aufgelöst. Anstelle einer behüteten Kindheit bei liebevollen Eltern traten Trauer, Angst und Unsicherheit. Ahmeds Mutter hatte keine Ahnung, wie sie ihre acht Kinder ernähren sollte. Als junge Witwe war sie zudem der strengen Kontrolle durch ihre Familie ausgesetzt und durfte nicht einmal ohne Erlaubnis auf die Straße gehen. Auch ihr Haus war damals ausgebrannt, und so fristete die Familie ihr Leben in Ruinen.

Anfang letzten Jahres kam neue Hoffnung auf. Die Witwe und ihre Kinder wurden von der SOS-Familienhilfe unterstützt. Sie bekamen Lebensmittelhilfe, in Seminaren lernte die alleinstehende Frau für ihre Rechte einzustehen. Die ganze Familie nahm an einem Sommercamp teil, wo Psychologen und Pädagogen mit Kindern und Mutter arbeiteten, und Ahmeds älterer Bruder Mohamed wurde ermutigt, in die Schule zu gehen.

Dann begann der Krieg, er traf die Familie mit voller Wucht. An einem Tag im Januar saß Ahmed zusammen mit seinen Geschwistern vor dem Haus, als eine Bombe explodierte, die offenbar einem vorbeifahrenden Auto galt. Die Explosion katapultierte Ahmed auf die Straße. Gleichzeitig mussten die Kinder mit ansehen, wie die Körperteile der Menschen, die eben noch in dem Auto saßen, umhergeschleudert wurden. Die Kinder standen unter so großem Schock, dass sie allesamt für eine lange Zeit unfähig waren, sich auch nur zu bewegen.

Ahmed erlitt einen leichten Schädelbruch und ein Trauma: Angst und Entsetzen setzten sich fest. Seitdem ist keine Nacht vergangen, in der der Junge nicht im Schlaf phantasiert. An den Tagen läuft er unruhig hin und her, kaum erreichbar für irgendwen, nicht einmal für seine Mutter.

Ahmed braucht dringend psychologische Hilfe. Gemeinsam mit einem lokalen Partner wollen die SOS-Kinderdörfer möglichst schnell ein umfassendes Hilfsprogramm für die Kinder in Gaza aufzustellen.

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