Von Kamil el Shami
Die größte Angst habe ich um Farah, meine jüngste Tochter. Sie ist 15 Jahre alt und geht in die neunte Klasse der „Rosary Sisters School“ im Süden von Gaza Stadt. Die Schule wurde 1995 mit Hilfe der französischen Regierung gebaut und wird von Nonnen geleitet. Unter den Lehrern und Schülern sind gleichermaßen Christen wie Moslems, und das war nie ein Problem. Die Atmosphäre dort ist sehr freundlich, der Umgang miteinander respektvoll. Farah hat viele Freunde aus beiden Religionen. Ständig telefoniert sie mit irgendwem, lädt Klassenkameraden zu uns nach Hause ein oder ist zu Besuch bei ihnen. Meine Tochter hat viele Pläne, sie träumt davon, später einmal Zahnmedizin in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz zu studieren – zumindest war dies bisher so.

Als die ersten Bomben fielen, war Farah im Unterricht. Nach der Explosion sei das Klassenzimmer plötzlich voller Rauch gewesen. Farah erzählt: „Ich konnte keinen meiner Freunde sehen. Ich dachte, das Ende der Welt sei gekommen und über uns alle würde nun das Urteil gefällt. Eine Sekunde später brachen die Fensterscheiben und wir sprangen unter die Schulbänke, um uns vor den Splittern zu schützen, da hörten wir schon die Schulleiterin, die uns zurief, dass wir in den Luftschutzkeller gehen sollen. Dort saßen wir dann und weinten vor Angst.“
Mit Autos und Bussen wurden die Kinder schließlich nach Hause gebracht. Unterwegs habe sie tote Menschen am Straßenrand liegen sehen, sagt Farah, eine Polizeistation sei komplett zerstört gewesen und in den Straßen seien zahlreiche Löcher.
Noch am Abend folgte der nächste Angriff und an den folgenden Tagen viele weitere –Farah geriet jedes Mal in Todesangst und hatte große Schmerzen in den Gelenken. In vielen dieser Nächte, in denen Gaza bombardiert wurde, saß die ganze Familie bei Kerzenlicht zusammen – wir hatten ja keinen Strom – und wir sprachen von besseren Zeiten und versuchten Farah zu beruhigen. Manchmal gelang uns das, manchmal waren wir chancenlos. Wenn es ihr gut ging, versuchte sie über das Internet Kontakt zu ihren Freunden aufzunehmen. In einer dieser Nächte versuchte ich Farah aufzumuntern, indem ich sie an ihre Träume erinnerte. „Denk doch an dein Zahnmedizin-Studium…“ Farahs Antwort: „Ich habe keine Träume mehr, sondern nur noch Alpträume!“
Nach der Waffenruhe, als wir endlich wieder das Haus verlassen konnten, war Farah sehr misstrauisch. Während wir anderen draußen im Hof saßen, blieb sie in der Wohnung. Als dann die Schule wieder begann, machten wir uns große Sorgen. Am Abend erzählte sie uns von all der Zerstörung, die sie auf ihrem Schulweg gesehen hatte, sie erzählte von Klassenkameraden, die mit ihren Familien den Gazastreifen verlassen hatten und von ihrer Freundin Nermeen, die an Weihnachten in der Kirche war – inmitten einer schwarz gekleideten Gemeinde, die um all die geliebten Menschen trauerten, die im Krieg gestorben waren. Wir mussten nur in Farahs Gesicht schauen, um zu erkennen, wie sehr sie all dies mitnahm.
Sie verschweigen, dass die Bomben auf Gaza von der israelischen Regierung als Antwort auf die Raketenangriffe der Hamas schon lange angekündigt wurden und dort auch ihren Grund hatten.
Zum Artikel selbst:
es kann nie einen Grund geben, unschuldige Kinder zu töten.
Ich bewundere und verehre Herrmann Gmeiner und sein Lebenswerk.
Dass SOS Kinderdorf unpolitisch und auch unabhängig von jeglichen Religionen ist, finde ich ganz hervorragend.
Meine Hochachtung all jenen Mitarbeitern gegenüber, die in diesen Gefahrengebieten weiter ihrem Dienst nachgehen.
Ach ja: sie sollten den Mut haben Beiträge zu löschen, die derart menschenverachtend sind wie obiger. Allein schon der Stil des zweiten Leserbriefes spricht doch Bände.
An „leichtschwer“:
Sie verschweigen (oder sind tatsächlich unglaublich desinformiert) die jahrelangen Menschenrechtsverletzungen der Israelischen Besatzungsmacht in den Palästinensischen Gebieten, und dass es sich bei den Angriffen der Hamas um einen Ausdruck des Widerstandes gegen die Israelische Besatzung und jahrelange Blockierung des Gaza-Streifens handelt. In einem Punkt haben Sie traurigerweise leider Recht, der Krieg Israels gegen die Palästinensische Bevölkerung in Gaza war lange Zeit vorbereitet und ist leider nicht das einzige Zeugnis von Kriegsverbrechen Israels gegen das Palästinensische Volk in den vergangenen 60 Jahren!
Liebe Leser,
vielen Dank für die zahlreichen Kommentare. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei diesem Blog nicht um ein Diskussionsforum über politische Präferenzen (Israel contra Palästina) handelt. Die SOS-Kinderdörfer arbeiten in beiden Ländern. In beiden Ländern sind die Kinder Leidtragende des Konflikts.
Bitte beachtet auch die Hinweise für Kommentare zu diesem Blog: http://gaza-blog.de/about/#kommentare