Gaza-Blog der SOS-Kinderdörfer

Beiträge vom März 2009

Wir Jugendliche aus Gaza wollen nicht so leben!

30. März 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

cg-sos-rafah„Braucht ihr irgendetwas?“, fragte der britische Generalkonsul, der zu Besuch ins SOS-Kinderdorf Rafah in Gaza gekommen war. Den Jugendlichen, mit denen er sprach, wollte er so gerne etwas Gutes tun. „Was fehlt euch? Vielleicht kann ich helfen?“ – „Nein, danke, es geht schon“, bekam der Besucher zur Antwort. „Aber wir haben eine Bitte: Geben Sie eine Nachricht an Ihre Regierung und alle anderen weiter: Wir Jugendlichen aus Gaza verkraften kein Embargo mehr! Wir wollen nicht mehr so leben!“

Der Generalkonsul mit dem tollen Namen Richard Makepeace war aus Jerusalem nach Gaza gekommen, um einen Musikraum feierlich zu eröffnen, den seine Botschaft dem SOS-Kinderdorf Rafah gespendet hatte. Für Kinder, die gerade einen Krieg erlebt und denen sich die Geräusche von angreifenden Flugzeugen, detonierenden Bomben und schreienden Menschen tief in die Ohren gegraben haben, sind solche Dinge dringend notwendig: Ein Raum mit ganz anderen Klängen, Klavier, Gitarre, Gesang, ein Ort für ganz andere Erfahrungen. Die SOS-Kinderdörfer unterstützen viele Kinder mit Trauma-Therapie, und das Malen, das Spiel oder eben die Musik können dabei wichtige Mittel sein.

Der Musikraum ist nicht nur für die Jungen und Mädchen im SOS-Kinderdorf gedacht, sondern auch für die Menschen in der Nachbarschaft, das ist bei den meisten unserer Einrichtungen so: auch die SOS-Klinik, die Schule, der Kindergarten oder der Brunnen werden von vielen Menschen außerhalb des Kinderdorfs genutzt und sind sehr wichtig für die Bevölkerung. Wir haben das große Glück, dass alle unsere Gebäude unzerstört geblieben sind, und so wirkt das Kinderdorf mit seinen weißen Mauern wirklich wie eine wundersam heile Welt inmitten von Schutthaufen und Trümmern.makepeace_kueche

Auch der Konsul und seine Mitarbeiter waren von all dem sehr angetan, schnell waren sie in intensivem Gespräch mit Müttern, Kindern, Helfern, Dorfleiter. Und unter den Menschen im Kinderdorf breitete sich fast eine Art Euphorie aus: das Gefühl, mitzudiskutieren, Teil zu sein von dieser Welt, von der man so radikal abgeschnitten ist. Für einen Nachmittag war eine Tür aufgegangen.

Als der Besucher schließlich ins Auto steigt und wieder wegfährt, winken ihm viele von uns hinterher – und manche stehen und schauen noch, als längst nichts mehr zu sehen ist.

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