Gaza-Blog der SOS-Kinderdörfer

Beiträge vom Juni 2009

Altbekannte Neuigkeiten

25. Juni 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

Immer wieder gibt es diese Gerüchte: „Hast du schon gehört? Sie wollen die Grenzen endlich öffnen!“ Das klingt zu schön und nie wird es wahr: Die Grenzen sind zu, nach wie vor. Seit zwei Jahren dürfen wir schon nicht hinaus und niemand und nichts kommt hinein. Ich muss das immer mal wieder sagen, da ich manchmal Angst habe, dass die Welt es vergisst.

Das Leben ist kompliziert geworden in Gaza. Eine kleine Liste der täglichen Nöte:

Fatimah, 18 Jahre, wohnt im Jugendhaus der SOS-Kinderdörfer und denkt doch nur an Ägypten. Dort lebt ihr Verlobter, den sie so schnell wie möglich heiraten möchte – aber sie darf das Land nicht verlassen!

Dareen, das kleine Mädchen mit dem gebrochenen Bein, von dem ich letzte Woche erzählt habe, braucht eine spezielle Behandlung, zu der es regelmäßig gebracht werden muss. Gleiches gilt für Tamir, einen elfjährigen Jungen, ebenfalls mit einem Beinbruch. Da Tamir nicht in die Schule gehen kann, bemühen wir uns, einen Nachhilfe-Lehrer zu finden. Er soll den Anschluss nicht verlieren!

Ashraf will im Ausland studieren. Seit langem hat er seine Papiere zusammen, viele Male schon hat er sein Visum erneuert und viel Geld dafür ausgegeben. Bis heute wartet er.

Die größten Sorgen aber machen wir uns um Mr. Wael, den Leiter des SOS-Kinderdorfs Rafah. Er hatte eine Hirnblutung und liegt im Krankenhaus. Er müsste dringend operiert werden und wartet nun auf die Genehmigung, Gaza für die Operation verlassen zu dürfen. Hierzulande kann ihm nicht wirklich geholfen werden. Zwar tun die Ärzte und Krankenschwestern ihr Bestes, aber sie haben nicht annähernd die technische Ausstattung, das Wissen und die Kapazitäten, alle Patienten adäquat zu behandeln. Mehr als 300 Menschen sind in den letzten zwei Jahren gestorben, weil sie nur im Ausland entsprechend hätten versorgt werden können – aber nicht ausreisen durften.

Wir warten, machen, hoffen – die Tage sind lang. Bis wieder mal jemand hineinstürmt, aufgeregt, mit der altbekannten Neuigkeit: „Du glaubst es nicht: Sie wollen die Grenzen öffnen!“

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