Gaza-Blog der SOS-Kinderdörfer

Beiträge vom August 2009

Gedanken eines Vaters

27. August 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

Es war eines dieser familieninternen Rituale: Oft, wenn ich nachhause kam, sprang mein Sohn Ashraf auf und begrüßte mich mit einem traditionellen Tanz. Und egal, wie es mir ging und ob ich vielleicht einen anstrengenden Tag hatte, und auch, wenn ich diese Begrüßung schon so oft erlebt hatte: Ich musste unwillkürlich lachen, jedes Mal!

Ich vermisse das! Wir alle vermissen Ashraf, der es vor drei Wochen tatsächlich geschafft hat, Gaza zu verlassen und nach Zypern weiterzureisen, um dort Englisch zu lernen und Informatik zu studieren. Und trotzdem: es tut gut zu wissen, dass mein Sohn nun an einem sicheren und schönen Ort ist! Dass er die Freiheit genießen kann. Jeden Tag telefonieren wir mit ihm oder chatten über das Internet, er klingt sehr begeistert: von den unterschiedlichen Menschen, die aus ganz Europa kommen, den Kulturen, der Sprache. All das ist für ihn völlig neu!

Gleichzeitig ist Ashraf noch ständig mit einem Ohr im Gaza-Streifen: Als es vor einigen Tagen zu Unruhen auf den Straßen kam und sich die Nachricht verbreitete, rief er gleich an, fragte, wie es uns geht und ob alles in Ordnung sei. Obwohl ich ihn beruhigte, hörte ich an seiner Stimme wie angespannt und besorgt er war. Das war ein Moment, wo uns allen die Entfernung sehr bewusst wurde. Wo in Ashraf plötzlich Heimweh aufkam, Sehnsucht nach diesem zerstörten Land, das doch seine Heimat ist.

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, wie so viele Familien: Über fünfzig Prozent der Bürger Gazas leben aufgrund der schwierigen politischen und ökonomischen Situation inzwischen im Ausland.

Wann wir unseren Sohn wiedersehen werden, wissen wir nicht: Ob wir die Möglichkeit haben werden, ihn bald zu besuchen? Wann er wieder ins Land hineinkommt? Ich bin froh, dass er ist, wo er ist – und stelle mir doch vor, dass er eines Tages wieder hier sein wird, seinen Beruf ausüben kann und mit seiner Familie ein gutes Leben führt. Das sind so die Gedanken eines Vaters, der eben seinen Sohn hat ziehen lassen.

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