Gaza-Blog der SOS-Kinderdörfer

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„Komm zu unserem Haus!“

20. Mai 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

„Um Akram, komm zu unserem Haus“, riefen die Kinder, als die Frau auftauchte, auf dem Kopf ein geschnürtes Bündel. Die Frau war bekannt im Viertel, seit einiger Zeit kam sie regelmäßig und bat die Menschen zaghaft um ein bisschen Unterstützung für ihre Familie.

Um Akram hat sieben Kinder. Das hinderte ihren Ehemann nicht, sie zu verlassen und eine andere Frau zu heiraten und mit dieser vier weitere Kinder zu bekommen. Dann hatte der Mann einen schlimmen Autounfall, durch den er gelähmt wurde. Seine zweite Frau wollte nichts mehr von ihm wissen. Um Akram aber nahm ihn wieder bei sich auf. Verzweifelt versuchte sie, ihre Familie zu ernähren, aber wie sollte sie das anstellen in diesem Land, in dem es weder genug Arbeit noch ausreichend zu essen gibt?

Um Akrams Kinder wollten helfen. Sie pflanzten Samen ein und zogen neben dem zerfallenen Haus der Familie kleine Pflänzchen auf, die sie für etwas Geld auf dem Markt verkauften. Das klappte manchmal. Wenn aber die Sonne schien und kein Regen fiel, verdorrten de Pflanzen, denn Wasser war knapp – viel zu knapp, um auch noch die Pflanzen zu gießen.

So begann Um Akram zu betteln, Tag für Tag, viele Stunden lang. Regelmäßig lief sie die Stadtviertel ab, ging von Tür zu Tür. Manche Türen blieben verschlossen. Andere wurden  geöffnet und die Bewohner gaben ihr Wasser, etwas zu essen oder eine andere Kleinigkeit. In so extremen Zeiten wie wir sie in diesen Jahren in Gaza erleben, zeigt sich viel über die Menschen. Am Abend brachte Um Akram nach Hause, was sie bekommen hatte, am nächsten Morgen machte sie sich wieder auf den Weg. Leben, das bedeutete jetzt nur noch, genug zu erbetteln um zu überleben.

Als Um Akram das nächste Mal im Viertel auftauchte, sah sie furchtbar müde aus. Wo sie konnte, hockte sie sich auf eine Treppenstufe, ruhte sich aus. Einige der Frauen sprachen sie an und schließlich offenbarte sich, dass Um Akram völlig geschwollene und entzündete Füße hatte. Nun beschlossen die Frauen, dass es reicht! Sie sammelten Geld und bezahlten einen Arzt für Um Akram. Sie zahlten für die Salbe, mit der sie ihre Füße pflegen sollte und sie trugen zusammen, was sie konnten, um die vier Wochen zu überbrücken, in denen Um Akram nicht laufen durfte.

Um Akram war gerührt und verlegen. Wie konnte sie das annehmen? Erschöpft legte sie sich in ihr Bett und ruhte sich aus, eine Woche lang, die zweite Woche. Als die hilfreichen Frauen in der dritten Woche Lebensmittel vorbeibringen wollten, war Um Akram nicht da. Sie war wieder unterwegs von Tür zu Tür mit ihrem Bündel auf dem Kopf, de Füße immer noch wund. „Ich kann doch nicht einfach da liegen und nichts tun“ erklärte sie den Frauen mit leiser Stimme.

Dann plötzlich tauchte eines Tages ein junges Mädchen auf, klopfte an die Türen, bat um Hilfe für die Familie. Um Akrams Tochter war gekommen, um ihre Mutter abzulösen, deren Füße sich endlich verweigert hatten. „Komm zu unserem Haus“, riefen die Kinder.

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