Zum letzten Mal: Blog aus Gaza

Als die Nachricht von dem fürchterlichen Erdbeben in Gaza herum ging, versammelten sich immer wieder Menschen vor den Fernsehern, so auch im SOS-Kinderdorf Rafah. Einige Mütter und Kinder hatten sich dort in einem der Familienhäuser versammelt, darunter der fünfjährige Sami, der plötzlich laut zu weinen anfing.

Es dauerte eine Weile, bis die anderen verstanden: Sami war der festen Überzeugung, dass der Krieg in Gaza erneut ausgebrochen ist – mit all dem Lärm, den einstürzenden Häusern, dem Chaos. Alyaa, seine große Schwester nahm ihn in den Arm, versuchte ihn zu trösten, aber er war kaum zu beruhigen.

Ein anderes Fernsehgerät ein paar Häuser weiter, eine andere Runde: Im Jugendhaus der Mädchen sitzen die 14jährige Khulood und andere SOS-Jugendliche vor den gleichen bestürzenden Bildern. Sie beginnen zu diskutieren, irgendwann fällt die Frage, ob es denn in Haiti Kinderdörfer gibt. Keiner weiß es, so dass sich schließlich Khulood beim Dorfleiter erkundigt. Gemeinsam mit einer Pädagogin beruft der Dorfleiter eine spontane Versammlung ein. Spricht von der furchtbaren Katastrophe und den zwei SOS-Kinderdörfern in Haiti, die beide glücklicherweise unzerstört geblieben sind. Dann erzählt er von den Nothilfe- und Wiederaufbau-Programmen, die bereits begonnen haben und mit denen die SOS-Kinderdörfer notleidende Kinder und ihre Eltern unterstützen.

Gaza ist ein gebeuteltes Land, die Lebensumstände bei uns sind dramatisch, und doch begannen die Menschen in diesen Tagen für Haiti zu beten und wenigstens kleine Beträge zusammenzutragen – im Kinderdorf und überall im Land.

Liebe Leserinnen und Leser,

mit diesen Zeilen möchte ich mich aus aktuellem Anlass von Ihnen verabschieden! Es war mir eine große Ehre und ein Bedürfnis, Ihnen ein Jahr lang vom SOS-Kinderdorf Rafah und unserem Leben in Gaza unter so schwierigen Umständen zu berichten, und ich bedanke mich für ihr großes Interesse. Bitte vergessen Sie uns nicht!

Nun gebe ich an meinen Kollegen Georg Willeit weiter, der als Projektkoordinator über die Wiederaufbau-Hilfe der SOS-Kinderdörfer in Haiti schreiben wird. Dort ist unser aller Aufmerksamkeit nun besonders nötig, und so möchte ich Sie zuletzt auf das Spendenkonto der SOS-Kinderdörfer hinweisen:

SOS-Kinderdörfer weltweit
Kontonummer: 111 111 1
Deutsche Bank München
Bankleitzahl: 700 700 10
Stichwort: SOS-Nothilfe

Es ist so dringend nötig, dass wir alle in Haiti helfen!

Herzlichst, Ihr Kamil el Shami