Happy End aus Gaza

091009kl-scan0001Es war heiß im Gazastreifen, sehr heiß, und plötzlich brach ein Feuer aus und setzte eines der kleinen Häuschen, gebaut aus nicht mehr als Palmwedeln, in Brand. Tahani, Mouneer und Saher, die drei Kinder, waren draußen gewesen, aber nicht ihre Mutter. Sie starb an ihren Verletzungen. Es gab noch einen Vater, der aber massive psychische Probleme hatte, wie viele Menschen in Gaza, das ist ein riesiges Thema. So konnte auch er nicht für die Kinder sorgen und die Drei landeten noch unter Schockzustand auf der Straße. Von einem Tag auf den anderen obdachlos geworden und völlig auf sich allein gestellt, liefen sie in den folgenden Monaten umher, um Essen und Trinken zu finden – bis jemand sie ins SOS-Kinderdorf brachte.

Neun Jahre ist das nun her. Tahani, mit neun Jahren die Älteste, litt damals unter einem massiven Trauma, ihr Bruder Mouneer, 5 Jahre, war dünn wie ein Strich und ausgehungert, und der dreijährige Saher weinte ununterbrochen.

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Misstrauisch und ängstlich beäugten sie jeden, der auf sie zukam, ganz egal, ob es ihre Kinderdorfmutter war, bei der sie von nun an wohnen würden oder die Ärzte und Psychologen des Kinderdorfs, die ihnen helfen wollten. Nach vier Monaten behutsamen Eingewöhnens und  Therapien verbesserte sich der Zustand ganz langsam. Die Kinder fassten Vertrauen zu ihrer Kinderdorf-Mutter, ließen ihre Umarmungen zu, spüren, dass sie es gut mit ihnen meint, wichen ihrem liebevollen Blick nicht mehr aus, sondern wagten, Kraft daraus zu ziehen.

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Dann kam der Tag, an dem Tahani zum ersten Mal wieder die Schule besuchte. Gemeinsam mit anderen Kindern aus dem Dorf und Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft ging sie nun täglich in die Hermann-Gmeiner-Schule, die zum Kinderdorf gehört. An den Nachmittagen bekam sie weiteren Unterricht, um das Verpasste aufzuholen. Mehr und mehr nahm sie an den Aktivitäten des Dorfes teil, wurde Mitglied unserer Folklore-Gruppe. Und sie fand Freunde. Doch immer wieder verschlechterte sich ihre Zustand, an manchen Tagen war sie zutiefst deprimiert – bis es ihr wieder besser ging.

Es fiel uns damals allen auf, wie sehr Tahanis Ausgeglichenheit davon abhing, wie es ihren Brüdern ging. Und tatsächlich: In dem Moment, wo auch Mouneer und Saher wirklich im Kinderdorf angekommen war, ging es endlich auch Tahani dauerhaft gut. Sie konnte wieder Freude am Leben entwickeln, es schien, als sei eine große Last von ihr gefallen.

So zogen die Jahre ins Land: Auch Mouneer und dann Saher kamen in die Schule und vor allem wurden sie immer mehr Teil der SOS-Familie. Wie sehr dies wirklich ihre Familie geworden ist, zeigte sich deutlich bei dem großen Ereignis der letzten Woche: Tahani, inzwischen 18 Jahre alt, hat geheiratet! Ihr Mann ist der Kunstlehrer der Hermann-Gmeiner-Schule, die Beiden sind sehr glücklich. Viele Nachbarn und Freunde kamen zum Gratulieren, und neben ihrer Mutter strahlten besonders die beiden Leiter der Folkloreband, die zur Hochzeit spielte: ihre beiden Brüder.

Man könnte sagen: ein Happy End aus Gaza! Unglaublich, wie gut uns das allen tut!

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Eine Antwort zu “Happy End aus Gaza

  1. meryemdeutschemuslima

    Salam aleikum,
    wie schön, dass diese Kinder wieder aufblühen konnten, alhamdulillah, dass es Menschen gibt, die sie nicht im Stich lassen.
    Ich wünsche dem jungen Ehepaar Gottes Segen und ein erfülltes Leben,
    wassalam, Meryem

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