Wer wird SOS-Kinderdorf-Mutter?

DSC07881_bearbWas sind das für Frauen, die SOS-Kinderdorf-Mütter werden? Und was müssen sie dafür tun? Diese Fragen werden mir immer wieder gestellt – ich will ein Beispiel geben.

Nehmen wir Sabaah. Eine Familie wollte sie haben, unbedingt, und studieren wollte sie, am liebsten Chemie, und anschließend Lehrerin werden. Sie hielt an ihren Plänen fest, auch, als ihre Mutter an Arthritis erkrankte und den Haushalt bald nicht mehr bewältigen und den ebenfalls kranken Vater nicht mehr pflegen konnte. Sabaah und ihre Geschwister sprangen ein, gleichzeitig bereitete sich Sabaah auf ihren Highschool-Abschluss vor.

Aber dann starb der älteste Bruder bei einem Unfall. Sabaah erlitt einen Schock, es dauerte ein ganzes Jahr, bis sie wieder zu ihrer Kraft fand. Ihre größte Sorge war es, die Familie zu ernähren. Der Schulabschluss stand nicht mehr zur Diskussion.

Sabaahs Familie lebte in der Nähe des SOS-Kinderdorfs Rafah, das Sabaah schon lange fasziniert hatte. Nun bewarb sie sich  selbst als Kinderdorf-Mutter – und wurde nach ausführlichen Gesprächen genommen! Zunächst als Helferin unterstützte sie die Kinderdorf-Mütter bei allem, was anfiel. Gleichzeitig nahm Sabaah an den notwendigen Seminaren teil, die zur Ausbildung gehören: Sie bekam Unterricht in Entwicklungspsychologie, Pädagogik und Haushaltsführung und lernte, wie man Berichte schreibt, was zu tun ist, wenn die Kinder krank werden oder Schwierigkeiten in der Schule haben. Ganz egal, um welches Land es geht: überall werden die SOS-Kinderdorf-Mütter sehr gründlich ausgebildet, ohnehin wird nur als Kinderdorf-Mütter akzeptiert, wer die nötigen charakterlichen Eigenschaften mitbringt, denn dies ist viel mehr als ein Job! Oft sind die Beziehungen, die zwischen Kindern und SOS-Müttern entstehen, sehr, sehr eng und halten ein Leben lang.

148_bearbDann kam der Tag, an dem Sabaah – wenn auch anders als ursprünglich geplant –  ihre eigene Familie bekam: Sie wurde Mutter von zehn Kinderdorf-Kindern. „Das ist ein großes Glück“, sagt sie, und das sagen auch ihre Kinder. Mit jedem Tag wuchs die Familie enger zusammen, ohne dass Sabaah allerdings ihre eigene Familie vergaß. Zwar wohnte Sabaahs Schwester noch bei den Eltern und kümmerte sich um diese, aber Sabaah unterstützte die Eltern finanziell und besuchte sie sooft es ging, meist im Schlepptau einiger Kinderdorf-Kinder. Und – ja, da waren auch noch ihre eigenen Pläne: Sabaah schaffte es tatsächlich, ihren Highschool-Abschluss nachzuholen. Wenn ihre Kinder für die Schule lernten, setzte sie sich dazu, lernte ebenfalls – und bestand bald darauf die Prüfung.

Als Sabaah dann von der Möglichkeit eines Fernstudiums an einer der örtlichen Universitäten hörte, begann sie trotz all ihrer täglichen Aufgaben und des turbulenten Kinderdorf-Lebens mit dem Studium. Nur war es nicht mehr die Chemie, sondern die Psychologie, die sie nun brennend interessierte. Begeistert von ihrem Zusammenleben mit den Kindern, wollte sie soviel wissen wie möglich, um die Jungen und Mädchen unterstützen zu können – ich bin sicher, dass sie ihr Studium gut abschließen wird!

Das ist also Sabaah. Ihre Geschichte ist ein Beispiel von vielen – für über 5200 SOS-Kinderdorf-Mütter in der Welt.

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