Explosionen in der Nacht

Zu Anfang ein kurzer Hinweis: Der NDR war in Gaza und hat mit mir in meiner Funktion als Geologe über die Umweltverschmutzung in unserem Land gesprochen. Alle, die es interessiert, finden den Beitrag hier: http://www3.ndr.de/sendungen/weltbilder/videos/weltbilder784.html

Nach wie vor sind zahlreiche Dinge rar in Gaza. Die Liste der Güter, die nicht ins Land hineingelassen werden, ist lang, auch Baumaterial steht darauf, was dramatische Folgen hat: es kann generell nicht in Gaza gebaut werden, all die zerstörten Häuser können nicht repariert werden, so dass viele Menschen in Zelten leben. Lebensmittel sind vielleicht erhältlich, aber zum doppelten oder dreifachen Preis. Wenn am Freitag das islamische Opferfest Eid al-Adha beginnt, wird es sich kaum jemand leisten können, großzügig einzukaufen, geschweige denn, ein Rind zu schlachten.

Auch die Situation an den Grenzen hat sich nicht geändert: Fatimah, eine junge Frau, die mit einem Ägypter verheiratet ist (ich hab bereits von ihr erzählt), hat die Hoffnung fast aufgegeben, bald zu ihrem Mann zu kommen. Nach wie vor wohnt sie in der Jugendeinrichtung des SOS-Kinderdorfs. Der Fußweg über die Grenze würde gerade mal zwanzig Minuten dauern, aber nach zahlreichen vergeblichen Versuchen beginnt Fatimah zu resignieren. Sie hat große Angst, ihren Ehemann nie wieder zu sehen.

So ist die Stimmung in Gaza angespannt, die Menschen sehnen den Frieden herbei und die Freiheit. Sie sind ungeduldig einerseits, ängstlich andererseits. Das überträgt sich auch auf die Kinder. Vor einigen Nächten wurden wir nachts durch laute Explosionen aus dem Grenzgebiet wach. Meine Tochter Farah war sehr erschrocken und bekam vor Angst Gelenksschmerzen. Es dauerte lange, bis sie wieder einschlafen konnte und am Morgen wachte sie müde auf, überwand sich aber dennoch und ging zur Schule.

Noch schwieriger waren die nächtlichen Explosionen für die Jungen und Mädchen im SOS-Kinderdorf Rafah. Vor allem die Kleineren fingen an zu weinen, manche schrien, sie standen unter Schock. Ganz offensichtlich waren die Erinnerungen an den Krieg wieder da, der die Kinder tief traumatisiert hat.

Dies alles ist keine leichte Kost, das weiß ich, und ich bin froh, dass Sie trotzdem bis hierher gelesen haben. Eine kleine positive Nachricht habe ich auch noch: Wir haben es endlich geschafft, Bücher für unsere Schulkinder zu besorgen. Nachdem wir die Bücher nicht wie früher aus der Westbank bekommen konnten, haben wir sie in Gaza drucken lassen, bei einer der wenigen Druckereien, die überhaupt noch arbeiten. Das Papier ist schlecht, die Wartezeit war lang, aber immerhin: die Kinder können damit arbeiten. Sie freuen sich!

2 Antworten zu “Explosionen in der Nacht

  1. Alles sehr, sehr traurig was in dieser Region seit Jahrzehnten erlaubt wird!
    In selbem masse ist es empörend wie die Regierungen auf dieses offensichtliche Genozid NICHT Reagieren!

    Im Gegenteil! Die Besatzer werden in ihrem feigen Unternehmen noch tatkräftig von „Friedliebenden“ aber Korrupten Vasallen, die sich in der „Welt-Politik“ Etabliert haben, untersützt!

    Seien wir uns Bewusst! Nahezu, jedes Kriesengebiet wurde und wird bewusst Provoziert. Aus den niedrigsten Beweggründen der obersten Elite!

    Leider besteht in unserer Gesellschaft immer noch die Einstellung:“ Ach so, aber das, wenn es überhaupt geschehe, doch nicht bei uns sei“!? Oder noch schlimmer!

    Das Bewusstsein in der industrialisierten Welt liegt im Wachkoma!

    Auf jeden fall, wünsche ich allen viel Kraft, Glück und , dass endlich eine Impfung gegen das Wachkoma verabreicht werde!

    Gruss visu

  2. Nehls, Gertrud

    Allen Betreuern wünsche ich viel Kraft, dieses unmenschliche Verhalten mit den Kindern auszuhalten und Möglichkeiten, ihnen ab und zu Ruhe vom Krieg zu ermöglichen!

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