Ärzte ohne Pause

„Was für ein Glück, dass es diese Ärzte gibt!“ Dieser Gedanke kommt mir auch dieses Mal wieder, als ich die Klinik betrete, die zum SOS-Kinderdorf Rafah in Gaza gehört. Weltweit gehören zu den SOS-Kinderdörfern 65 medizinische Zentren, die oftmals die einzige medizinische Versorgung im weiten Umkreis darstellen und vor allem in entlegenen Gebieten ganz wichtige Arbeit leisten.

An diesem Morgen treffe ich Um Nasser im Wartezimmer,  eine ältere Frau aus der Nachbarschaft des Kinderdorfs. Sie leidet an Diabetes und Bluthochdruck und kommt regelmäßig zur Kontrolle in die Praxis. Nach der Untersuchung stellt der Arzt ein Rezept aus, holt aus der Apotheke nebenan die Medikamente und wünscht Um Nasser gute Besserung. Die Patientin lächelt dankbar.

Alle Ärzte, die in der Klinik arbeiten, behandeln die Patienten kostenlos. Internisten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen und Dermatologen halten ehrenamtlich ihre Sprechstunden ab. Nicht nur für die Bewohner des Kinderdorfs ist das eine große Erleichterung, sondern auch für die Menschen in der Umgebung, die froh und dankbar sind, hier behandelt zu werden. Jährlich kommen 2300 Patienten. Seit dem Sommer haben wir sogar eine kleine Zahnarztpraxis auf unserem Gelände, in der auch regelmäßige Kontrollen für die Jungen und Mädchen aus unserem Kindergarten und der Schule stattfinden.

Keiner der Ärzte klagt, auch wenn der eine oder andere manchmal müde aussieht und es wohl aufgrund der vielen Arbeit auch ist. Es mangelt in Gaza an Ärzten, an medizinischen Geräten und Medikamenten – ich habe ja darüber schon geschrieben! Vor allem Medikamente für Kinder sind schwer zu bekommen, weshalb wir froh über unsere Apotheke sind. Die Mittel dort sind von verschiedenen Hilfsorganisationen gespendet worden.

Da die Situation auf dem Land noch kritischer ist, haben die Ärzte unserer Klinik vor einiger Zeit einen Gesundheitstag ins Leben gerufen. Regelmäßig fahren sie an diesem Tag durch die Dörfer und halten Sprechstunden in geeigneten Gebäuden ab. Die Menschen dort sind oft sehr froh, und wenn die Ärzte am Ende des Tages noch von der Arbeit des SOS-Kinderdorfs Rafah erzählen, von den Kindern, die ein neues Zuhause bekommen haben, deren Tränen weniger werden und deren Lachen zählt, hören viele Leute aufmerksam zu. Im besten Fall gehen sie danach nicht nur mit medizinischen Ratschlägen nach hause, sondern auch mit einem kleinen bisschen neuer Hoffnung.

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