Auf einen Kaffee in Gaza

Das Café Delice in Gaza Stadt ist seit seiner Eröffnung vor einigen Jahren Treffpunkt der Intellektuellen, Journalisten, Studenten und Hilfsorganisationen. Auch die Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer besuchen es gerne, wenn sie mal in der Stadt sind – es ist etwas besonderes: Der Duft des Cappuccino, gepaart mit dem Zigarettenrauch der Besucher, das Geräusch der elektrischen Kaffeemühle, die dunklen Farben, das Glasmosaik – in all diesen Details schwingt das Lebensgefühl mit, das der Besitzer, ein junger Palästinenser, aus Paris mitgebracht und so gekonnt in Gaza etabliert hat. Schnell wurde das Café zur Institution und seine spezielle Kaffeemischung berühmt im ganzen Land.

Das Café ist im Krieg nicht beschädigt worden und wer es heute ansteuert, braucht eine Weile, um zu merken, was sich geändert hat – eine ganze Welt: Der junge Besitzer, der das Café mit so viel Liebe aufgebaut hat, hat mit vielen anderen das Land wieder verlassen, seitdem leitet sein Bruder den Betrieb. Nur unter großen Schwierigkeiten kommt er an die Kaffeebohnen, denn wie so vieles andere auch, steht Kaffee auf der Liste der Güter, die nicht nach Gaza eingeführt werden dürfen.

Am Auffälligsten aber ist die Verwandlung, die mit den Gästen einhergegangen ist. Früher war dies ein Ort lebhafter Diskussionen, jetzt ist es viel leiser geworden. Viele Besucher trinken schweigend ihren Kaffee, ihren Gesichtern sieht man die Sorge und die Trauer an, die Resignation. Wenn doch gesprochen wird, dann drehen sich die Gespräche um die immer gleichen Themen: die Angst, dass Gaza von der Welt vergessen wird. Das Embargo, durch das das Leben hier immer schwieriger, immer katastrophaler wird. Den Bau der Stahlmauer an der Grenze zwischen Gaza und Ägypten, mit der offenbar der Warenhandel durch die unterirdischen Tunnel gestoppt werden soll und was passiert, wenn die Tunnel tatsächlich geschlossen werden.

Hochgenuss oder Wohltat lautet die Übersetzung des französischen Wortes „Delice“. Wie lange das Café noch durchhalten wird? Keine Ahnung! Aber noch zieht dieses wunderbare Aroma durch die Luft…